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5 Gründe weshalb Worte krankmachen können

01.03.2016 | Volker Saar

Wo Menschen kommunizieren, kann es auch Streit geben. Neben dem offensichtlichen Miteinander und den Gesprächen, gibt es unterschwellig viele Themen, die aufeinanderprallen und ab und zu durchschimmern: Macht-Demonstrationen, Revieransprüche, Gruppenzwänge, versteckter Egoismus. Vielleicht sogar Mobbing. Muss das sein? Ich möchte Ihnen 5 Ursachen für eine ungesunde Gesprächskultur vorstellen.

1. Falsche Perspektive

Menschen, die uns umgeben, sind nicht nur unsere Gesprächspartner - sie sind gleichzeitig unser Spiegel. Wir bekommen für alles, was wir tun und sagen, eine Reaktion. Vielleicht kennen Sie den Spruch von Spinoza: „Was Paul über Peter sagt, sagt mehr über Paul als über Peter.“ Der Satz stammt aus dem 17. Jahrhundert, und vielleicht sind Sie überrascht, dass es Paul und Peter heute auch noch gibt. Daran erkennt man, dass wir immer uns selbst in anderen Menschen wiederkennen, und unsere Absichten und Wünsche reflektiert werden. Wir alle sind Subjekte, man kann sich nicht ausklammern beim Kommunizieren mit anderen. Das gilt auch für die Reaktionen, die wir beim Anderen erzeugen wollen, um uns selbst darin zu erkennen. Das ist eine Tatsache, die wir gern vergessen, wenn wir vom Ich sprechen und die Handlungen anderer als fremd betrachten.

2. Versteckte Negativität

Eine falsche Kommunikation trifft uns selbst im Spiegel und macht uns krank. Und das ist meistens ein unbewusster Prozess. Aber auch derjenige, der der Wortführer ist, der Starke, befindet sich unbewusst in einer Rolle, die ihm Schaden zufügt. Denn wer Negatives nach außen gibt, macht sich frei, aber er produziert diese Negativität erstmal in sich selbst. Der Täter ist auch immer das Opfer. Vielleicht macht Ihnen diese Sichtweise deutlich, dass nicht jeder Streit so einfach auf Täter und Opfer zurückgeführt werden kann.

3. Hohe Erwartungen

Aus dem Wunsch nach einem professionellen Arbeitsverhältnis, vom professionellen Auftreten im Beruf, erwarten wir dieses auch ständig von unseren Kollegen. Sie mögen es abgedroschen finden, aber ihr Kollege ist ein ebenso fehlbarer Mensch wie Sie selbst. Und so können die Erwartungen, die man an Andere stellt zum Bumerang für das eigene Wohlbefinden werden. Waren Sie nicht schon in Situationen unglaublich enttäuscht über das Verhalten eines Arbeitskollegen und haben trotzdem nichts gesagt, weil Sie so etwas als unprofessionell empfunden hätten? Oder haben Sie zu lange einige Dinge mit angesehen, die Sie für falsch hielten und sind dann später explodiert? Oftmals handelt es sich um Situationen, in denen wir aus einer Erwartungshaltung heraus urteilen. Aber kann man selbst immer jede Erwartung erfüllen, die an einen gestellt wurde? Erwartungen bringen uns dazu, uns selbst auf einen hohen Berg zu setzen, von oben herab zu beobachten, ob sich alles nach den eigenen Wünschen fügt. Weniger Erwartungen bedeuten weniger Ärger, denn Sie sind unvoreingenommener und besitzen mehr Urteilskraft.

4. Zu viel Professionalität

Wir arbeiten stets daran, unser Arbeitsumfeld möglichst objektiv und rational zu erfassen und zu gestalten. Aber was unterscheidet eigentlich unser Arbeitsleben, das Miteinander mit unseren Kollegen von anderen Beziehungen in unserem Leben? Wir glauben die Unterschiede zu kennen, Sachlichkeit, Angemessenheit, Professionalität. Aber dennoch ist eine Arbeitsbeziehung ebenso eine Beziehung. Wir haben damit begonnen, ihr die Emotionalität abzusprechen und sie in die Sachlichkeit zu verbannen. Dabei gibt es genug Wege sich in Situationen die eigene Kommunikation und Sprache bewusster zu machen. Auch wenn Sachlichkeit wichtig ist, sollten wir Ansichten und Gefühle nicht ignorieren.

5. Unterschätztes Feedback

Wir urteilen ständig über Andere. Auch der freundlichste Gesprächspartner wird einem gutes und schlechtes Feedback geben. Hier sind wir wieder bei Peter angelangt. Es ist wichtig zu verstehen, dass auch ein gut gemeintes Lob zu Missverständnissen führen kann. Jeder von uns geht anders in solchen Situationen vor, aber ein paar Beispiele verdeutlichen, wie schwer es ist, vollkommen objektiv betrachtet nur Gutes zu sagen. „Ihre letzte Arbeit hat mich sehr überzeugt, ich wünsche mir das für die Zukunft weiter so!“. Sie merken schon, in diesem Satz schwingt etwas Kritik mit. War man mit meiner Arbeit vorher nicht zufrieden? Was passiert, wenn ich den Erwartungen für die Zukunft nicht gerecht werde? Wieso wird dieser Druck aufgebaut? Was zunächst wie eine angemessene Wertschätzung vom Sprechenden ausgehen kann, kann beim Zuhörenden schnell die falschen Emotionen befeuern. Oder: „Sie haben sich sehr bemüht, diesen Termin einzuhalten“. „Toll dass alles geklappt hat, genauso hatte ich es mir vorgestellt“. Das sind alles Sätze, die der eine oder andere von Ihnen aus dem Arbeitsleben kennt. Und ich kann Ihnen verraten, dass jedes Lob einen Kritikpunkt in sich trägt. Nicht alles erzeugt sofort einen Konflikt, aber im Coaching können Sie lernen, sich darauf einzustellen und bestimmte Dinge zu vermeiden.

 

4 Tipps für eine gesündere Kommunikation

1. Sparen Sie mit Erwartungen

Erwartungen sind Gift. Denn sie bereiten Konflikten bereits das Austragungsfeld vor. Bis überhaupt etwas geschehen ist, haben Sie schon durchdacht, wie Sie es am liebsten hätten. Wenn wir ehrlich sind, kann so gut wie niemand unsere Erwartungen erfüllen. Denn ganz richtig, es sind unsere Erwartungen, und wir können nicht erwarten, dass der Andere genau weiß, was wir uns vorstellen. Angenommen, Sie führen ein Restaurant und haben ungelernte Arbeitskräfte eingestellt. Sie ärgern sich darüber, dass diese nicht von selbst merken, dass sie die Restaurantbesucher begrüßen sollten, die Tische sauber halten, die Gäste im Blick behalten usw. Und irgendwann explodieren Sie förmlich. Es sind oft die nicht ausgesprochenen Erwartungen, die das Leben schwer machen. Reden Sie darüber! Wer im Arbeitsalltag eher zu viel als zu wenig nachfragt, bewegt sich sicherer in der Kommunikation. Das zeugt von Verständnis und Weitsicht. Niemand ist perfekt.

  

2. Unbewusstes Handeln beobachten

Das ist einfach gesagt und auch einfach getan, wenn man ein paar Dinge beachtet. Wir haben viele Automatismen, die uns im Alltag begleiten. Das passiert ganz von selbst und ist normal. Wir können nicht ständig alles neu erfinden. Aber eine alte Lösung ist nicht immer die Beste, nicht wahr? Versuchen Sie, alltägliche Situationen einmal bewusst wahrzunehmen und neu zu bewerten. Solches Verhalten kann man trainieren - und man muss nicht zwingend bei der Kommunikation beginnen. 

 

3. Floskeln abgewöhnen

Die Verwendung von Floskeln spielt sich ebenfalls im Unterbewusstsein ab. Dazu zählen nicht nur ihre Lieblingsfüllwörter und Phrasen. Wir neigen oft dazu, Dingen ihren positiven Charakter wieder abzusprechen. Wenn Ihnen nicht unterstellt werden soll, Sie würden manchmal lügen, unterlassen Sie Phrasen wie „Ehrlich gesagt, …“. Widersprechen Sie sich nicht selbst mit „aber“; verfolgen Sie eine klare und verständliche Kommunikation.

 

4. Paraphrasieren

Ein Gespräch wird umso erfolgreicher, je mehr sich der andere verstanden fühlt. Fremde Gedanken haben es manchmal nicht einfach, gegen die eignen Vorstellungen zu gewinnen. Versuchen Sie bei Gesprächen, das Gesagte des anderen in gewissen Abständen zusammenfassend in Ihre Aussagen einfließen zu lassen. Das signalisiert hohes Verständnis und macht es Ihnen leichter Dinge nachzuvollziehen. 

 

Expertenrat vom Business Coach:

„Als Business Coach und Kommunikationstrainer berate ich Mitarbeiter und Führungskräfte nicht nur im Verkaufstraining. Zu einem erfolgreichen Arbeitsalltag gehört mehr als nur das richtige Verkaufsgespräch. Der Umgang mit Ihren Kollegen, das Zusammenspiel von Teams ist wichtig für den Unternehmenserfolg, aber auch für Sie selbst! Vergessen Sie bei Ihrer täglichen Arbeit die Routine und lernen Sie achtsam mit Ihrer eigenen Kommunikation umzugehen. Gesunde Kommunikation kann man lernen, ungesunde aber auch. Es gilt bei Ihnen und Anderen ein Bewusstsein zu entwickeln, was ungesunde Kommunikation ausmacht, damit sie diese in Zukunft vermeiden können. Daher habe ich folgende Tipps für Sie: Wenn Sie jemandem Feedback geben, sei es positiv oder kritisch gemeint, achten Sie auf die Position, die Sie selbst zum Gegenüber einnehmen. Versuchen Sie wertungsfrei zu sein und äußern Sie sich positiv im Bezug auf die Zukunft. Das bedeutet, dass Sie Erwartungen umformulieren. Machen Sie aus einer hochgestochenen Erwartung einen Wunsch. Aber nicht als Anspruch. Verdeutlichen Sie, warum es wünschenswert wäre und bringen Sie Gründe vor, warum es für Sie so ist. Das zeigt Ihrem Gegenüber worum es Ihnen geht. Dafür müssen wir Verhaltensweisen, die uns zu ungesunder Kommunikation treiben, abbauen. Schaffen Sie sich eine gesunde Arbeitsumgebung, indem Sie Ihre Sprechgewohnheiten überdenken. In meinem Coaching bekommen Sie alle Werkzeuge an die Hand, die für eine gesunde Kommunikation wichtig sind.“

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