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Wenn man das Wort Business Coach in den Mund nimmt, wimmelt es nur so vor Vorbehalten. „Dafür gibt es doch gar keine Ausbildung“ / „Trainer und Coaches gibt es doch wie Sand am Meer“ /“ Sollen die Unternehmen doch lieber gleich die richtigen Führungskräfte einstellen, die gar keine Coaches brauchen“ / „Da gönnt sich das Management wohl ein Coaching“. Und so weiter und so fort. Vielleicht verhält es sich ein bisschen wie mit Versicherungs- oder Immobilienmaklern oder – noch allgemeiner – mit Berufen, die mit Beratung zu tun haben.

Da sind wir Deutschen ja sehr kritisch; zunächst mal wird gerne nach den Zertifikaten gefragt, nach der Ausbildung und den Kompetenzen. Das ist ja grundsätzlich nicht falsch, sollte aber auch nicht überbewertet werden.

Vergleichen wir doch einen Business Coach einmal mit einem Sport-Trainer* oder Coach. Nehmen wir mal einen Golf-Coach, der in dieser Disziplin „Pro“ genannt wird. Würden Sie hier auch erst einmal nach der Ausbildung, den Methoden, den Inhalten, dem Prozess und der Kompetenz fragen? Wahrscheinlich haben Sie die Freunde gefragt, denen Sie vertrauen und sich einen Pro empfehlen lassen.

Und dann geht es los. Sie engagieren den Coach. Und den Erfolg messen Sie an den eigenen Fortschritten. Der Coach spielt natürlich noch immer eine wichtige Rolle am Rande, als Berater, Feedback-Geber. Er setzt seine bewährten Methoden und Module ein und spornt Sie zum Lernen an. Kann man diese Qualitäten an der Ausbildung oder den Zertifikaten festmachen? Wohl nicht ausschließlich.

Wie ist es nun aber, wenn Sie selbst Business Coach werden möchten? Wie gehen Sie da vor, wenn Sie noch keine Referenzen oder eine einschlägige Karriere vorweisen können? Hier sind ein paar Tipps aus meiner langjährigen Erfahrung:

  • Empathie und Leidenschaft

Das sagt sich so einfach; woher weiß ich denn aber, ob mein Herz wirklich für das Coaching anderer Menschen schlägt? Es gibt viele Menschen, die Ihre eigenen Qualitäten, Talente und Stärken gar nicht so recht einschätzen können. Dafür gibt es wunderbare Testverfahren, die teilweise sogar kostenlos sind; beispielsweise die BIG 5 oder Values in Action.

 

  • Netzwerk

Wenn Sie davon überzeugt sind, dass der Weg eines systemischen Coaches für Sie der richtige ist, erzählen Sie es jedem! Überzeugung und Klappern gehören nun mal zum Handwerk. Machen Sie keine Kompromisse. Vielleicht gibt es Menschen in Ihrem Umfeld, die eine Beratung wünschen, vielleicht vertrauen sich immer mehr Menschen Ihnen an. Danken Sie idealerweise zunächst nicht an das Geld, sondern sammeln Sie so viele Erfahrungen wie möglich. Vielen Ihrer Freunde wird es reichen, einen Ansprechpartner zu haben, der sie versteht.

 

  • Nebenjob?

Bei aller Euphorie möchte ich Sie doch kurz in die Realität zurückholen: Nur etwa ein Drittel aller Business Coaches können wirklich von diesem Beruf leben. Viele arbeiten nebenbei als Trainer oder in ganz anderen Bereichen. Erwarten Sie also nicht, dass alle Menschen sofort bei Ihnen Schlange stehen und gecoacht werden wollen. Außerdem werden für die Sitzungen meistens kürzere Module vereinbart (1-3 Stunden). Da muss man schon viele Klienten haben, um davon leben zu können.

 

  • Ausbildung

Und ja – natürlich sollte man sich intensiv mit den passenden Themen beschäftigen, wie man wertschätzendes Coaching durchführt. Welche Fragen stellt man, welche Methoden und Interventionen gibt es, wie sieht der Prozess aus, die Organisation, der Online-Auftritt usw. usw. Um eine Ausbildung zum systemischen Coach kommt man also nicht herum. Dazu ist es gut, sich einen Überblick über die passenden Unternehmen und zu verschaffen. Es gibt sehr gute Ausbildungen in Berlin, München und Zürich. Die Methoden bestehen meistens aus einem Mix aus online Kursen, Präsenzseminaren und praktischen Fallbeispielen. Man lernt also während der Ausbildung den praktischen Umgang mit Klienten kennen. So bauen Sie schon in dieser Zeit Kompetenz auf.

 

  • Positionierung

Ist die Entscheidung gefallen, eine Karriere als Coach zu starten, sind zwei Dinge hilfreich: Ein Businessplan und eine Website. In beide Themen sollte man aber auch nicht zu viele Wochen investieren, denn sie dienen einem Ziel, das darübersteht: Wie positionieren Sie sich? Das heißt, was bieten Sie Besonderes an und worauf werden Sie sich spezialisieren? Wenn Sie z.B. noch recht jung sind und sich als eierlegende Wollmilchsau verkaufen, wird man Ihnen das vielleicht nicht abkaufen. Vielleicht haben Sie aber Vorkenntnisse in bestimmten Bereichen, die Sie nutzen möchten. Vielleicht möchten Sie Karriere-Coaching anbieten oder sich auf Führungskräfte spezialisieren. Grundsätzlich möchten Sie aber vielleicht eher Privatpersonen coachen, statt sich auf das Personal in Organisationen zu fokussieren.

Versuchen Sie eine Vision von der Zukunft zu entwickeln und Ihre persönlichen Stärken mit einzubeziehen. Dann steht Ihrer Coach-Karriere nicht mehr viel im Wege.

 

*) (Kleine Anmerkung: Ich habe mir erlaubt, bei den Bezeichnungen nur die männliche Form zu wählen. Das dient ausschließlich der Vereinfachung des Leseflusses.)
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